Interview mit
Arthur Winning, geführt von Jens Tausch
JT: Willkommen bei MacMalt Whisky Home. Arthur, darf ich zunächst mal ein wenig nach deiner Vita fragen und seit wann du in die Welt des Whisky als Geschäftsmann eingestiegen bist.
AW: Geboren wurde ich 1941 in Glasgow. Ich war nicht von Anfang an im Whiskygeschäft. Bis 1981 arbeitete ich als Accountant für Baufirmen unter anderem in Afrika und den USA. Nachdem ich so einiges auf der Welt gesehen habe, ging ich 1981zurück nach UK. Ich wusste damals noch nicht genau was ich hier nun denn machen würde. Zu dieser Zeit gab es vor allem nur ganz wenig unabhängige Abfüller und es war kein Problem Fässer von Destillerien wie Ardbeg, Port Ellen oder Caol Ila zu bekommen. Es gab nicht so viel Major Players und man konnte auch viel einfacher mit den Leuten umgehen als in der heutigen Zeit. Man muss sich das mal vorstellen. Ich ging einfach zu United Destillers in Edingburgh konnte einkaufen was ich wollte. Ungefähr nach der Devise – Sag mir was du haben willst und du bekommst es. Soviel Port Ellen und Caol Ila wie ich haben wollte. (Lacht.)
JT: Ich würde mal sagen, ein großer Unterschied zu heute!
AW: (Lacht noch mal.) Absolut. Das würde heute mit den UDV’s nicht mehr so funktionieren. Das war damals in jeder Hinsicht oldfashioned style. Meine ersten beiden Fässer waren übrigens in der Tat ein Caol Ila und Port Ellen. Um die 63%, Sherry Oloroso. Und die meisten dachten, oh Gott was ist denn das für ein Zeug! Es war den Leuten viel zu stark. In den ersten 10 Jahren machte ich das mehr als Hobby und arbeitete noch ganz normal in meinem Hauptberuf. 1992 wurde das Whiskygeschäft zu meiner hauptberuflichen Tätigkeit. Das war eine sehr interessante Zeit, wenn man bedenkt, das man damals Abfüllungen von Destillerien machen konnte, die es heute zum Teil nicht mehr gibt oder die Bestände nur noch sehr gering und dadurch natürlich die Preise unglaublich nach oben gegangen sind. Auch die Art der Verpackung bzw. das Augenmerk aus marketingstrategischer Sicht hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Für mich persönlich war und ist es immer noch sehr wichtig was in der Flasche steckt und weniger eine super aufwendige Präsentation.
JT: In der Zwischenzeit füllst du auch Whiskys in einer Trinkstärke von 43% ab. Wie kam dieser Wandel zustande?
AW: Nun, nicht jeder mag unbedingt fassstarke Whiskys und mit dem Whiskyboom in den letzten Jahren gibt es auch sehr viel mehr Anfänger in diesem Bereich. Und da sind trinkstarke Whiskys einfach ein guter Start um sich mit der Materie näher zu befassen. Trotzdem habe ich vielleicht nur 6 Trinkstarke wie Bladnoch, Clynelish und Macallan im Programm.
JT: Als du 1982 mit fassstarken Whiskys gestartet bist, wie schwierig war es zu dieser Zeit das entsprechend zu vermarkten? Vor allem auch als unabhängiger Abfüller?
AW: Oh, das war anfangs fast unmöglich. Erstaunlicherweise waren wir mit einem Vatted Malt zunächst mehr erfolgreich. Ein „Finlaggan“ aus Speyside. Aber im Laufe der Jahre konnten wir in UK mit Oddbins unsere Abfüllungen besser platzieren. Oddbins war damals sehr offen für neue Dinge und ich nenne es mal abenteuerlustig. Auch wir waren das mit einigen Singel Grain’s, die allerdings erst heute mehr und mehr an allgemeinem Interesse zunehmen.
JT: Ich muss ganz ehrlich sagen, mir ist bisher noch kein guter Grain ins Glas gekommen.
AW: Probier mal hier den 15jährigen Girvan und du wirst vielleicht feststellen, dass es da doch auch Unterschiede gibt. (Anm. JT: Ok, ich war überrascht, er schmeckte wirklich ganz gut, aber ich bleibe dann doch lieber bei den Single Malts.)
JT: Was mich persönlich wundert, James MacArthur steht zwar auf der Flasche, aber dein Name lautet Arthur Winning. Wie kam das eigentlich zustande?
AW: Ganz einfach. Arthur Winning klingt nicht besonders schottisch und so habe ich den Namen des Großvaters aus der Familie meiner Frau genommen.
JT: Und für was steht die Serie Old Masters?
AW: Das soll die besondere Qualität dieser speziellen Abfüllungen hervorheben. Ich assoziiere mit dem Begriff „Old Masters“ die alten Maler, die unvergleichliche „Meisterwerke“ geschaffen haben.
JT: Wenn du so die letzten 10 Jahre in der Whiskywelt zurückschaust, was hat sich deiner Meinung nach verändert? Wie siehst du im allgemeinen den europäischen Markt und den in den USA?
AW: Nun, ganz klar ist der Whiskymarkt enorm gewachsen. Es wurde auch sehr viel Promotion seitens der unabhängigen Abfüller gemacht um sich gegenüber den sogenannten „Major Destillers“ durchzusetzen und generell mehr auf sich aufmerksam zu machen. Letztendlich haben aber die Major Destillers davon am meisten profitiert. Zum einen ist Qualitätsanspruch des Kunden heute generell höher, zum anderen hindert der Höhenflug oder vielleicht gerade deswegen, weder die Unabhängigen noch die Majors Produkte auf den Markt zu bringen, die man besser nicht abgefüllt hätte.
JT: Produziert das Haus James MacArthur auch Blends?
AW: Ja, wir haben einen Blend im Programm. Aber es ist mehr um die Nachfrage der Importeure und Händler zu decken. Er enthält 25% Maltanteil.
JT: Nur 25%? Ist das nicht ein bisschen wenig? Klar enthalten heutige Blends lange nicht mehr soviel Malts wie das beispielsweise noch in den 60er Jahren üblich war. Wie hoch ist denn der durchschnittliche Anteil an Malt in den schottischen Blends heute?
AW: Bei den günstigeren Qualitäten so um die 15%. Bei den besseren eben um die 25%.
JT: Wie siehst du den Blendmarkt gegenüber dem des Single Malt?
AW: Der Markt für Single Malt hat eindeutig zugenommen. Natürlich sind die Mengen für Blends immer noch um ein vielfaches größer, aber die Verkaufszahlen gehen zugunsten des reinen Malts zurück. Es stellt sich aber zunehmend mehr die Frage, wie können wir den Umsatz im Single Malt weiter so hoch halten. Das wird mit Sicherheit die Herausforderung der Major Destillers und der unabhängigen Abfüller sein.
JT: Vorausgesetzt der chinesische Markt wird immer offener, liegt dort auch die Zukunft um noch mehr Whisky abzusetzen? Vielleicht nicht gleich mit Single Malts, denn das durchschnittliche Einkommen ist dort nicht gerade üppig.
AW: Ich denke schon. Dort liegt sicherlich ein großes Potential, jedoch wird man meiner Meinung nach erst mal den Markt mit Blends bedienen und die Konsumenten so auch auf den Geschmack für Single Malts zu bringen.
JT: Eine letzte Frage, wie viele Leute arbeiten eigentlich in deinem Unternehmen und dann doch noch eine persönliche Frage am Schluss, welche Ziele hast du für die Zukunft?
AW: Ich arbeite alleine. Sozusagen eine klassische One-man-show. Die meisten der Abfüller arbeiten genauso wie ich mit anderen Unternehmen, die das tatsächliche Abfüllen in die Flaschen durchführen. Den „Rest“ kann man schon alleine machen. Es gibt Destillerien, die viel Whisky produzieren und das Ganze mit nur 3 Leuten betreiben. Ich war solange für andere Leute tätig und heute liebe ich es für mich alleine zu arbeiten. Um die persönliche Frage zu beantworten, ich möchte gerne weiter gute Whiskys abfüllen. Und das mache mit meiner ganzen Passion. Natürlich möchte ich auch gerne weiter damit Geld verdienen und wie das so mit allen Berufen ist, da hat man nicht jeden Tag den Spaß, den man sich wünschen würde, aber auch am Ende dieser Tage hat man etwas kreiert, nämlich einen wirklich guten Whisky in die Flasche zu bringen!
JT: Das kann ich dir nur bestätigen! Vielen Dank für das Gespräch und Slainte Mhate!